Rhetorik: Strategien zum Erfolg
Die Deutsche Rednerschule GmbH repräsentiert seit über 30 Jahren die klassische Rhetorik als eine der bekanntesten Rhetorik- Institutionen in Deutschland. In der griechischen Antike, insbesondere als Gerichtsrede konzipiert, wurde die Rhetorik von den verschiedensten Schulen kontinuierlich weiterentwickelt.
Prof. Dr. Gert Üding, von der rhetorischen Fakultät der Universität Tübingen, definiert Rhetorik folgenderweise:
„Rhetorik ist ein zusammenfassender Begriff für die Theorie und Praxis der menschlichen Beredsamkeit in allen öffentlichen und privaten Angelegenheiten, ob sie in mündlicher, schriftlicher oder durch die technischen Medien (Film, Fernsehen, Internet) vermittelter Form auftritt.“
Ohne diese rhetorischen Fähigkeiten war eine politische Karriere im antiken Griechenland, der Wiege der Rhetorik, z.B überhaupt nicht möglich. Auch heute nutzen Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik verstärkt Möglichkeiten der rhetorischen Ausbildung- und Weiterbildung.
Die rhetorische Erfolgsstory der Antike
Ein Beispiel hierzu ist der rhetorische Erfolg des wohl berühmtesten Rhetorikers der Antike: von Demosthenes.
Der 384 v.Chr. geborene Demosthenes war schon mit 25 Jahren ein erfolgreicher Logograph (Redenschreiber). Mit 30 Jahren versuchte er sich als politischer Redner und wurde bei seinem ersten Redeversuch vom Athener Volk ausgepfiffen, weil er zu leise und mit vielen „äh’s“ redete, Worte verschluckte und, wenn er nervös wurde, unentwegt mit der Schulter zuckte.
Es wurde überliefert, wie er sich dann das Reden beigebracht hat:
-Er legte sich Kieselsteine in den Mundraum, um besser artikulieren zu können
-er legte sich schwere Bücher auf das Zwerchfell, um besser atmen zu können
-er stellte sich an das Meer und redete gegen die Brandung an, um eine stärkere Stimme zu bekommen
-er hing ein Schwert an die Decke mit der Spitze an seiner Schulter, um sich das Zucken abzugewöhnen etc.
So wurde er der Redestar der Antike.
Mit 34 Jahren hielt er seine erste Rede gegen den mazedonischen König Philipp – heute auch noch als „Philippika“ bekannt.
Bei seiner 3. „Philippika“ (341) soll der König Phillip gesagt haben:
“Ich glaube, wenn ich diese Rede mit angehört hätte, hätte ich selber gegen mich gestimmt“.
Für diese Rede wurde Demosthenes als „Redner des Jahres“ mit dem „Goldenen Kranz“ ausgezeichnet und 10 Jahre später erhielt er zum zweiten Mal den Goldenen Kranz.
Um diese 2. Auszeichnung gab es 330 einen Redekampf zwischen ihm und Äschius, den Demosthenes gewann. Seine Rede wird als die vollkommenste Rede (Dauer 4 Stunden) des Altertums bewertet.
Demosthenes hat bewiesen: Rhetorik ist nicht angeboren, Rhetorik ist angelernt.
Die Tradition des „Goldenen Kranzes“ wurde 1978 durch die Deutsche Rednerschule, im Rahmen der Verleihung des „Goldenen Mikrofons“ an besonders erfolgreiche politische Rednerin der Bundesrepublik Deutschland, wieder eingeführt. Förderkreis
Die rhetorischen Strukturen und die Trainingsprogramme
Obwohl die Ziele und Grundstrukturen der Rhetorik bis zum heutigen Tage geblieben sind, haben sich die Trainingsmethoden weiterentwickelt. Rhetorik Seminare
So gibt es seit dem Altertum folgende Arbeitsschritten:
Erstellung einer Rede inventio [Finden und Erfinden des Stoffes], dispositio [Anordnen des Stoffes], elocutio [sprachlicher Ausdruck], memoria [Einprägen der Rede], pronutiatio/actio [Vortragen der Rede]und deren Struktur:
exordium [Einleitung]; narratio [Erzählung]; argumentatio [Beweisführung], peroratio [Schluss]In unserem Seminar „Reden schreiben“ bedienen wir uns zwar anderer Bezeichnungen – so wird aus dem exordium der „Attention step“. aus der narratio die „Metapher“ bzw. „Storyline“, aus der argumentatio die Argumentationslogik und aus der peroratio der Schlußsatz. Aber eines hat sich nicht geaendert: Eine Rede wird immer vom Schlußsatz her konzipiert. Leider für viele Redner ein Novum! "www.rednerschule.de/reden schreiben"
Besonders wichtig ist, wie die Geschichte von Demosthenes zeigt, die pronutiatio – die Vortragstechnik. Hierzu gehört eine richtige Atemtechnik, an der ja auch Demosthenes intensiv gearbeitet hat. Hierzu bedienen wir uns in unseren Seminaren „Atem & Sprache“ auch modernen Bio-feed-back Techniken. Aber das Ziel ist geblieben: Weg von der hektischen und flachen Brustatmung und hin zur beruhigenden Bauchatmung.
Natürlich reicht eine optimale Atmung für einen erfolgreichen Rhetoriker alleine nicht aus. Entscheidend ist die Kongruenz zwischen der eigenen Persönlichkeit und dem rhetorischen Auftritt – entsprechend den Inhalten des Seminars „Rhetorik & Persönlichkeit“.
Allerdings kommen sachliche Persönlichkeiten mit dem Grundanspruch der Rhetorik nach Dynamik nur schwer nach: Bewegung in der Stimme durch Stimmstärke und –lage, beziehungsorientierter Betonungstechnik, Wirkungspausen sowie dem Einsatz von kongruenter Gestik und Mimik. Diese Dinge sind heute mit den modernen Hilfsmitteln der Ton- und Videotechnik wesentlich schneller lernbar als zur Zeit des Demosthenes.
Tipps zur Körpersprache und zum richtigen Outfit
Eine Journalistenweisheit lautet: Bild schlägt Ton. Warum? Das menschliche Auge kann komplexe Zusammenhänge im rechten „Bildgehirn“ schneller und langlebiger abspeichern als der meistens abstrakt und nur in der Zeitfolge dem Menschen zugängliche Ton. So nehmen wir über das Ohr ca. 18 % und über das Auge ca. 35% der Informationen auf. Wenn die Informationen über beide Aufnahmekanäle kongruent sind, entsteht eine noch höhere Wirksamkeit als die reine Addition. So hängt die Glaubwürdigkeit einer Botschaft also von der Kongruenz von Bild und Ton ab. Reden und Handeln muss übereinstimmen. Das ist bzw. war das Geheimnis aller großen Rednerpersönlichkeiten. Jesus von Nazareth ist dafür bis zum Kreuz gegangen. Was wäre wohl aus dem Christentum geworden ohne diesen letzten Schritt der Kongruenz? Was ist ein Politiker, ein Manager ohne diese Kongruenz? Wir erleben es heute klarer denn je: unglaubwürdig. Worauf sollten sie also bei der Körpersprache besonders achtenerst stehen, dann reden. Nehmen sie sich einige Sekunden Zeit, um Augenkontakt mit dem Publikum aufzunehmen.stehen sie grade und ruhig. Wer auf einem Standbein steht, vermittelt ein „schiefes Bild“ und hindert sich an einer optimalen Zwerchfellatmung. Darüber hinaus verführt der Standbeinwechsel zur Unruhe.
schauen sie das Publikum an. Ein Weglaufen der Augen hindert die Beziehung und wirkt oftmals unglaubwürdig. Seien sie freundlich, besonders bei positiven Botschaften, denn nur so erhalten diese ihre Wirkung.
setzen sie ihre Hände ein. Wollen Sie: Beziehung zum Publikum aufnehmen? Gestik nach vorne. Macht ausstrahlen? Hände zur Seite. Negative Aussagen ablehnen? Hände nach unten. Hände gehören auch nicht hinter den Körper oder in die Tasche und der Zeigefinger wird auch nicht als Angriffsmittel eingesetzt.
Outfit
Auch ihr Outfit ist ein Teil der Kommunikation und erzielt eine hohe Wirkung. Wollen sie eher dynamisch wirken, sind Gegensätze von Hell und Dunkel angebracht. Eher statisch wirkt eine uni Kleidung. Beachten sie eines: Helle Töne sind immer Vordergrundtöne und dunkle Töne bringen sie eher in den Hintergrund. Es kommt also auf den Anlass und ihre Wirkungserwartung an. Auch die Farben vermitteln Wirkungen, wobei wir uns dieser kaum entziehen können, denn tagtäglich werden wir durch Farben geführt: Alle Notschalter sind rot, Warnschalter gelb und bei grün dürfen wir die Strasse überqueren. Das prägt sich im Gehirn unauslöschlich ein. Ergebnis: Rot vermittelt Gefahr und Aggressivität, gelb Wärme, blau suggeriert Abstand, Kälte und Sachlichkeit und grün eher Natürlichkeit und soziale Kompetenz und braun Bodenständigkeit. Übrigens war es noch im vergangenen Jahrhundert nur Mitgliedern von Adelsfamilien erlaubt, bestimmte Farben zu tragen. Noch heute ist in der Diplomatie die Farbe Purpur nur zwei Personen zugeordnet, nämlich dem Papst und der Königin von England. „Bild schlägt Ton“ – diese Aussage sollten sie nicht vergessen.
Wie argumentiere ich überzeugend.
Optimale rhetorische Vortragstechniken sind zwar eine gute Basis, bringen aber losgelöst dem Rhetor nicht den langfristigen Erfolg – insbesondere bei uns in Deutschland. Wichtig ist hier die nachvollziehbare und überzeugende Argumentation und der gekonnte Umgang mit Gegenargumentationen. Dieses sind Schwerpunkte des Seminars „Argumentation & Schlagfertigkeit“, das als Grundlage die Argumentationslehre von Toulmin beinhaltet.
Praxis Tipps! Argumentation nach Toulmin
- Wie argumentiere ich logisch? -
In den Zeiten des Demosthenes waren es die Sophisten -„die Weisheitsbringer“ -, die durch den Unterricht der Rhetorik und Argumentation Bürger durch eine private Ausbildung in Führungspositionen brachten. Bekannt waren hier besonders Protagoras und Gorgias. Diese Lehrer negierten das Vorhandensein einer objektiven Wahrheit und begründeten die Argumentation einer relativen Wahrheit. Im 2. Jahrhundert nach Christus wurde dann diese Lehrkultur im Römischen Reich weitergeführt. Stephen Edelston Toulmin, geb. 1922 in London, ist sozusagen der aktuelle Interpreter dieser Lehre. Durch sein Buch „The Uses of Argument“ aus dem Jahre 1958 gilt er als der Begründer der modernen Argumentationstheorie. Toulmin lehrt als Professor an der „University of Southern California“. Sein System ist auch die Basis der argumentativen Ausbildung in der Deutschen Rednerschule, denn durch sein Modell lassen sich die verschiedenen Formen von Argumenten, wie sie die formal-logische Argumentationsanalyse definiert, leicht und übersichtlich darstellen.
Bei Toulmin wird eine These auf zwei unterschiedlichen Ebenen belegt: Auf der Ebene der Daten, Fakten, Quellen, Beispiele und auf der Ebene der Schlussregel und Stützen. Letztere gilt sozusagen als „Obersatz“. Ist dieser ungültig, ist die komplette Argumentation nicht haltbar. Sind beide Ebenen jedoch begründbar, so führt die Argumentation letztendlich zur Conclusio, zum Ergebnis. Hierzu ein einfaches Beispiel, was auch von Toulmin selber gerne gebraucht wird.Die These lautet: „Harry ist Brite“ und die Begründung bzw. das Datum hierzu, „Harry wurde auf den Bermudas geboren“. Diese Begründung braucht natürlich einen Beweis, eine Stütze. Wir, in der Deutschen Rednerschule, unterscheiden hier, entgegen Toulmin, in eine Sachstütze, z.B. seine Geburtsurkunde und eine Ankerstütze: „er trägt im Sommer immer Bermudashorts.“ Hierbei ist die Sachstütze unbedingt logisch dem Datum zuzuordnen, die Ankerstütze nur plausibel. Oftmals lassen sich Zuhörer von der Plausibilität “verführen“, wenn die Sachstütze nur einigermaßen richtig bewiesen erscheint. Nun kommt es auf die alles entscheidende Schlussregel an, die lauten kann: „Alle, die auf den Bermudas geboren sind, sind britische Staatsbürger.“ Nur, wenn diese Regel gilt, wird natürlich auch die These zu einer Conclusio. Aber auch die Schlussregel braucht eine Stütze, einen Beweis: hier das Statut von Westminster vom 11.12.1931. Toulmin kennt jedoch eine Möglichkeit, diese so logische komplette Argumentation zu Fall zu bringen, und zwar durch die Konstruktion einer Ausnahme. In unserem Fallbeispiel könnte Harry exterritorial in einer Botschaft zur Welt gekommen sein und damit von Beginn an eine andere Staatsbürgerschaft inne gehabt haben etc. Jeder von uns kennt doch den Spruch: Keine Regel ohne Ausnahme. Diese Aussage scheint eine allgemeine Akzeptanz zu haben, wird doch die allgemeine Norm „du darfst nicht töten“ zum Beispiel im Krieg zu einem imperativen Muss umgewandelt. Und wie geht der Redner mit diesem Modell um?
Die rhetorische Reihenfolge ist durch dieses Schema nicht vorgegeben. Der Redner kann sowohl mit der These beginnen und über Daten und Schlussregel zur Conclusio führen, kann jedoch auch mit der Schlussregel starten und dann natürlich über Daten und Stützen zur Conclusio gelangen. Sinnvoll ist es jedoch, den Weg der Konstruktion einer Ausnahme zu verbauen, und zwar durch eine eigene Einwandvorausnahme, die selber dann widerlegt werden muss.
Worauf sollten sie achten:auf die präzise Formulierung der These, denn diese könnte von ihren Zuhörern zuerst angegriffen werden. Geschwächt wird die These durch die Einführung von Modaloperatoren, gerne von mir auch „Weichmacher“ genannt, wie vermutlich, eigentlich, wahrscheinlich, eventuell etc.auf die Beweisbarkeit der Daten mittels Fakten und den dazugehörigen Quellen. Je seriöser die Quellen sind, je akzeptabler sind auch die Fakten.auf die Konstruktion einer Ankerstütze, die beim Publikum eine nachvollziehbare Assoziation (rechtes Gehirn) erzielen kann.
auf die Darlegung einer von den meisten Zuhörern akzeptablen Schlussregel, denn diese ist, besonders im Bereich der allgemeinen Normen, angreifbar und damit wäre dann die komplette Argumentation unhaltbar. Nehmen sie als Beispiel das Thema „Tempolimit auf den Autobahnen“. Hier setzen die Gegner die Schlussregel „Freie Fahrt für freie Bürger“ und die Befürworter „das menschliche Leben zu erhalten ist das höchste Gut“. Hierüber lässt sich nun in Talkrunden trefflich streiten. Was sagen die Sophisten: “Es gibt nicht die absolute Wahrheit, nur die relative Wahrheit und diese ist jeweils unterschiedlich begründbar.“ Widerlegbar scheint dieser Satz in den Bereichen der Naturwissenschaften. Aber auch hier kennen wir radikale Paradigmenwechsel. Denken sie an die lange Diskussion „Ist die Erde eine Scheibe oder eine Kugel“, die vielen Menschen im Altertum das Leben gekostet hat. Denken sie an die Einsteinsche Relativitätstheorie oder die spätere Quantenmechanik. Auch diese „Wahrheiten“ können sich eines Tages als „scheinbare Wahrheiten“ herausstellen.
und nennen sie mögliche Ausnahmen und widerlegen sie diese. Damit vermeiden sie meistens langatmige Diskussionen und demonstrieren Beziehungsakzeptanz.
Bei Diskussionen achten Sie immer darauf, auf welcher Seite der Argumentationsstruktur ihre Gegner argumentieren: auf der Datenseite oder im Bereich der Schlussregel. Auf der Datenseite benötigen sie Fachwissen, auf der Seite der Schlussregel sind langatmige und erfolglose Diskussionen vorhersehbar. Spezialisten retten sich daher meistens durch Fakten, „Generalisten“ wechseln schnell auf die Seite der Schlussregel.
Die moderne Technik:
Dazu kommen heute noch die Möglichkeiten des Einsatzes von technischen Hilfsmitteln, z.B. von Power Point u.ä. Rhetores, die den Zuhörern den Text nach vorlesen, wirken wohl eher peinlich. Auch diese Kombination von vorgefertigten Charts und der professionellen Rhetorik wird in dem Seminar „Präsentationsrhetorik“ eingeübt.
Neuerdings setzen besonders amerikanische Politiker den „Speech Prompter“ – also zwei durchsichtige Lesescheiben, die rechts und links vor dem Rhetor aufgebaut sind, ein. Eine Technik, die insbesondere Barack Obama bevorzugt und dem Rhetor das Einüben des Textes abnimmt. Bei uns in Deutschland in jedem Fernsehstudio gängige Praxis. Speech Promter
Umgang mit der Redeangst
Wenden wir uns jetzt einem Kernproblem der Rhetorik zu: Der Redeangst. Diese Angst vor der „rhetorischen Blamage“ hindert viele, ansonsten erfolgreiche und intellegente Menschen, sich der Rhetorik zuzuwenden. Man überlässt das Reden lieber einem anderen. Woran liegt das? Entweder an der unbekannten Situation – auch der Pilot muss lange trainieren, bis er eine Maschine ohne Angst bedienen kann – oder aber auch an einer eher ängstlichen Grundstruktur. „Angst macht Angst“ – und das ist nicht der Sinn der „Beredsamkeit“. In unserer Schule haben wir hierzu ein Rhetorik Seminar „Selbstsicherheit & Überzeugungskraft". Mittelpunkt sind hier die Transaktionaanalyse von Eric Berne und das Triune Brain Modell nach MacLean, denn wer falsches denkt, handelt falsche. Rhetorik beginnt beim Denken und nicht beim Reden.
Tipps zum Umgang mit der Angst:
- Wie vermeide ich Redestress -
Warum litt Demosthenes bei seinem ersten Auftritt unter enormer Redeangst? Die Gründe sind leicht nachvollziehbar: Die Situation war ungewohnt und er konnte sein Vermögen und aber auch sein Selbstwertgefühl verlieren. Heute bezeichnen wir diese Situation häufig auch als Stress. Und das Problem? Unser Körper reagiert noch wie vor Urzeiten, in denen wir durch Flucht oder Angriff der Gefahr entgehen konnten. Dafür ist jedoch die Mobilisierung aller physischen Kräfte notwendig. Um allerdings Energie freisetzen zu können, benötigt unser System Sauerstoff, in Stresssituationen viel, viel Sauerstoff. Ergebnis: Die Atemtechnik stellt sich von der ruhigen Nasenatmung um auf die hektische Mundatmung. Ergebnis: Wir atmen schneller, die Herzfrequenz steigt und auch der Stoffwechsel wird enorm beschleunigt. Der Körper schaltet auf „Volldampf“ und das Gehirn schaltet ab, denn im Augenblick der Gefahr kostet Denken Zeit und die ist nicht vorhanden. Schnelles, automatisches Handeln ist gefordert. Wir nennen dies: Denkblockade. Und so vergisst der Redner seine Inhalte und ist nur noch damit beschäftigt, möglichst schnell zum Ende zu kommen. Aber wer glaubt schon einem Redner, der selber „auf der Flucht“ ist?
Was ist zu tun?
Bereiten Sie sich gut vor, in dem Sie das Thema voll im Griff haben. Formulieren Sie auch die „Gegenmeinung“, damit Sie auf Angriffe gut vorbereitet sind.Üben Sie, möglichst zusammen mit einem Experten.Konzentrieren Sie sich nicht auf die negativen Bilder der Angst, sondern schieben Sie positive Bilder in den Vordergrund.Üben Sie kontinuierlich die notwendige Zwerchfellatmung.
Die Atmung:
Bei der Atmung geht es im Wesentlichen um den Austausch von Sauerstoff gegen Kohlendioxid. Wir unterscheiden hierbei die Brustatmung von der Zwerchfell- oder Bauchatmung. Da im Brustraum ein Unterdruck herrscht, wird durch die Ausdehnung des Körpers Luft in die Lunge gesogen. Da der Bauchbereich hier mehr Freiraum bietet, im Brustbereich begrenzen die Rippen die Kapazität, ist hier ein größerer Einatmungsbereich vorhanden. Ziel ist es also durch die Nase tief in Brust- und Bauchbereich einzuatmen. Um aber einen optimalen Gasaustausch zu erreichen, kommt es nicht alleine auf die richtige Bauchatmung, sondern besonders auf die optimale Ausatmung an, denn, was nicht ausgeatmet ist kann auch nicht wieder eingeatmet werden. Schnelle Mundatmung fördert daher nicht den Gasaustausch, sondern führt nur zu einem erhöhten Stoffwechsel und damit zur Nervosität.
Einige Tipps zur richtigen Atmung:
Rennen Sie nicht nach vorne, sondern gehen Sie ruhig an das Pult und achten Sie auf die Atmung. Fassen Sie das Pult niemals seitlich an. Beginnen Sie nicht sofort mit Ihrer Rede, sondern schauen Sie das Publikum freundlich an. Stehen Sie gerade und nicht auf einem Standbein. Zeigen Sie sofort Ihre Beziehung zum Publikum durch Augenkontakt und eine adäquate Beziehungsgestik. Und wenn Sie während der Rede nervös werden, sollten Sie folgendes Repertoire automatisch abrufen:
Satz beenden und Stimme senken. Tief durch die Nase in den Bauch atmen und Gestik einsetzen. Auf keinen Fall schneller atmen und körperlich erstarren. Um wieder in Fluss zu kommen, den letzten Satz noch einmal wiederholen oder eine rhetorische Frage an die Zuhörer stellen. Das bringt Zeit und hilft den Gedanken, wieder Tritt zu fassen. Üben Sie dieses Repertoire in der Alltagspraxis so oft wie möglich, also immer dann, wenn Sie merken, dass Sie nervös werden. Im Augenblick der wichtigen Rede müssen Sie automatisch richtig handeln. Demosthenes hat seine Redeangst durch Training überwunden, warum nicht auch Sie?
Rhetorik in Deutschland
Und nun werden Sie sich sicherlich fragen: Obwohl es aktuell viele rhetorische Trainingsmöglichkeiten gibt, die Demosthenes vor ca. 2400 Jahren nicht zur Verfügung standen, woran liegt es, dass, insbesondere wir Deutschen, uns mit der Rhetorik so schwer tun?
Ich denke – es ist unsere politische Geschichte, denn Rhetorik ist immer dort zu finden, wo die Regierungsform „Demokratie“ herrscht. Das war so im Griechenland der Antike, später dann im antiken Rom mit Rednern wie Cicero, in der französischen Revolution mit Rednern wie Robespierre, Mirabeau und Danton, während der Bill of Rights in England mit Oliber Cromwell oder den amarikanischen Freiheitskriegen mit Benjamin Franklin, später mit „I had a dream“ mit Martin Luther King oder aktuell Barack Obama „Yes we can“. (Mehr hierzu im Buch „Redner für die Freiheit“ ISBN 9 783837 081916 z.B. Amazon etc 19.50).
Deutschland kommt in dieser Entwicklungsgeschichte nicht vor. Wir sind eher ein Volk von Dichter und Denkern und vor allem von Naturwissenschaftlern. Unsere rhetorische Zeit begann erst mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der damit verbundenen Demokratie. Hier sind Rhetores wie Kurt Schumacher, Ernst Reuter in Berlin, Carlo Schmid, Fritz Erler, Franz-Josef Strauss, Helmut Schmidt und alle die Rednerinnen und Redner, die von der Deutschen Rednerschule mit dem Goldenen Mikrofon ausgezeichnet wurden.
Nicht allein das Wissen ist entscheidend, man muss es auch mit anderen kommunizieren können. Das ist das Ziel der Rhetorik, insbesondere der Deutschen Rednerschule GmbH.