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REDEKUNST IN DEUTSCHLAND

Um unser Redevermögen steht es schlecht: mit durchschnittlich 4.000 Wörtern nutzen wir gerade mal ein Prozent unseres Wortschatzes. Wie konnte es soweit kommen? Bis zu Hölderlins Zeiten, Anfang des 19. Jahrhunderts, hatte das Volk der Dichter und Denker eine große philosophisch ausgerichtete Rhetorik-Tradition.

Mit der Gründung der historischen Geisteswissenschaft und dem Durchbruch des deutschen Nationalbewußtseins begann die Einbuße dieser Fähigkeiten. Obrigkeitsstaat, Untertanengeist und Militarismus ließen liberale Geister verstummen.

Nach dem propagandistischen Missbrauch der Rhetorik in der Nazi-Zeit erholte sich das Ansehen der Redekunst nur langsam. Inzwischen sind es andere Schwierigkeiten als die historische Last, die dem Redner den Mund verschließen. Peter Ditko, Leiter der Bonner Rednerschule, sieht das Problem im Mangel an Übung und frühzeitiger Bewahrung rhetorischer Fähigkeiten. (...)