ddp - Nachrichtenagentur
Der Herr der Worte
Peter H. Ditko ist Leiter der Deutschen Rednerschule in Bonn
Bonn (ddp). Wenn Politiker das Wort ergreifen, hört Peter H Ditko besonders genau hin: Der 65-Jährige ist Gründer und Leiter der Deutschen Rednerschule und beschäftigt sich damit, wie die deutschen Volksvertreter ihre Politik präsentieren. «In Sachen Rhetorik ist der Nachholbedarf riesengroß», sagt er. Zu Zeiten des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU) habe es dagegen noch zahlreiche gute Redner gegeben.
Die Namen seiner Kunden, die in der Rednerschule sind oder waren, möchte der 65-Jährige nicht verraten. «Vertrauen ist eine Grundvoraussetzung für diese Arbeit», betont er. Dennoch lässt Ditko keinen Zweifel daran, dass Politiker aus allen Ebenen von Landespolitikern über Bundestagsabgeordnete bis hin zu Regierungsmitgliedern seine Hilfe in Anspruch nehmen. «Die Leute wissen, dass sie ohne gute Rhetorik nicht gewählt werden.»
Seit der Gründung seiner Rednerschule in Bonn vor 30 Jahren mussten schon viele Politikergenerationen bei Ditko vorsprechen, mehrere Tausend Politiker wurden von ihm oder seinen Mitarbeitern bereits unterrichtet. Sein eigenes rhetorisches Talent wurde dem gebürtigen Remscheider allerdings nicht in die Wiege gelegt. Als gelernter Volkswirt sollte Ditko eigentlich dem Vater ins familieneigene Steuerbüro folgen.
Über Umwege gelangte er in die Kommunikationswissenschaft und verfolgte seine Idee, die Bonner Bundestagsabgeordneten rhetorisch zu schulen. Von der anfänglichen Skepsis mancher Politiker ließ sich Ditko nicht abhalten und fand in Franz Josef Strauß einen redegewandten Unterstützer seines Vorhabens. Mittlerweile ist Ditkos Schule auch in Berlin und München tätig und beschäftigt seinen Angaben zufolge zehn Mitarbeiter.
In seiner Rednerschule analysiert der Rhetoriktrainer anhand von Redebeispielen die Stärken und Schwächen der Politiker. Die Aussprache spielt dabei ebenso eine Rolle wie das Auftreten oder das Outfit. Der größte Fehler beim Reden sei das «Stoibertum», sagt Ditko. Damit meint er in Anspielung auf den früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) kompliziertes Denken, lange Satzstrukturen und viele Verschachtelungen.
Es komme darauf an, ein Sachgebiet verständlich zu erklären und dies noch mit einer Bildhaftigkeit in der Sprache zu kombinieren. Dazu müsse auch die Körpersprache passen. «Ein Politiker darf nicht steif stehen wie zum Beispiel Rudolf Scharping, der mehr tot als lebendig war», sagt Ditko.
Nach Meinung des Experten zeigen vor allem zwei Politiker im Bundestag ihr rhetorisches Talent: Oskar Lafontaine und Gregor Gysi. Den ehemaligen SPD-Vorsitzenden und derzeitigen Parteichef der Linkspartei Lafontaine lobt Ditko als einen «populistischen Redner, der seine Sache sehr geschickt macht». Zu Gysi passe hingegen die Bezeichnung eines «hervorragenden Dialektikers».
Auch wenn die beiden Linkspolitiker für deutsche Verhältnisse zur Spitze der Rhetoriker gehören, gibt es im internationalen Vergleich einiges aufzuholen. Besonders ein Politiker hat es Ditko in letzter Zeit angetan: Barack Obama. Immer wieder kommt der Experte auf den künftigen US-Präsidenten zu sprechen und beginnt zu schwärmen. Obamas Auftritt in Berlin sei «faszinierend» und seine Ausstrahlung «toll» gewesen.
Für alle leidgeplagten Redner findet Ditko zum Schluss aufmunternde Worte: «Es gibt keine geborenen Redner. Jeder muss es lernen.» Bleibt also noch ein wenig Hoffnung auf Besserung.