Laudatio
Redeentwurf
25 Jahre "Förderkreis politische Rhetorik"
25 Jahre "Deutsche Rednerschule"
und Auszeichnung
Dr. Angela Merkel (MdB) als "Frauenpersönlichkeit 2002" am 21.2.2003 in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft
Es gilt das gesprochene Wort.
Laudatio: Peter H. Ditko
Gründer und Vorstandssprecher "Förderkreis politische Rhethorik" und Gründer und Direktor der "Deutschen Rednerschule"
Herzlich Willkommen
25 Jahre Förderkreis politische Rhetorik in der Bundesrepublik Deutschland und 25 Jahre Deutsche Rednerschule
Begrüßung
Immer wieder werde ich von meinen Schülern gefragt:" Wie kamen Sie auf die Idee eine Rednerschule zu gründen"?
Meine Antwort lautet dann meistens: "Auf die Idee brachte mich ein Herr namens Demosthenes. Allerdings lebte dieser bereits 384 Jahre vor Christus.
Warum?
Dieser Demosthenes, übrigens Sohn eines einflußreichen Waffenfabrikanten, war ein erfolgreicher Redenschreiber. Das reichte ihm allerdings nicht. Er wollte unbedingt in die Politik. Damals, das muß man wissen, war rhetorisches Können Voraussetzung um überhaupt politisch tätig werden zu können.
Er stellte sich also an einem Abend auf die Bühne um zum Volk von Athen zu reden.
Seine Stimme war allerdings schmal, leise, er war nervös und versprach sich oft und zuckte immer wieder vor Nervosität mit der rechten Schulter. Ergebnis: Das Volk pfiff ihn aus und er mußte schmachvoll die Bühne verlassen. Übrigens haben wir in unserer jungen Republik ein ähnliches Ereignis hinter uns: Ein Bundestagspräsident mußte wegen einer schlechten Rede von seinem Posten zurücktreten. Bei uns bisher ein einmaliger Vorgang.
Nun zurück zu Demosthenes: Er wollte unbedingt in die Politik und brachte sich das Reden bei. Er legte sich Kieselsteine in den Mund um besser artikulieren zu können, er redete gegen die Brandung des Meeres um eine stärkere Stimme zu bekommen, er legte sich schwere Bücher auf das Zwerchfell um eine bessere Atmung zu erhalten und befestigte ein Schwert an der Decke mit der Spitze auf seine Schulter zeigend um seine Zuckungen zu bekämpfen. Und siehe da: nach einigen Wochen zuckte er nicht mehr.
Fazit: Redner werden nicht geboren, Redner werden gemacht. Das zeigte mir das Beispiel dieses Mannes, der im übrigen für seine gute Rhetorik zwei Mal mit dem goldenen Lorbeerkranz als bester Redner ausgezeichnet wurde.
Ich gründete damals die Rednerschule, noch als Bonner Rednerschule und zusammen mit dem SPD Abgeordneten Jürgen Egert aus Berlin den Förderkreis politische Rhetorik.
Jürgen Egert verstarb leider sehr früh und an seine Stelle trat dann im Vorstand des Förderkreises der damalige Vizepräsident des Deutschen Bundestages Dieter Julius Cronenberg. Als Cronenberg dann später die politische Bühne in Bonn verließ empfahl er mir als seinen Nachfolger den damaligen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD Fraktion im Deutschen Bundestag Rudolf Dreßler. Mit ihm habe ich dann über Jahre den Förderkreis geführt, wobei wir den Vorstand kräftig ausbauen konnten: Es kam dazu Dr. Heiner Geißler, Joschka Fischer, damals noch Fraktionsvorsitzender, Guido Westerwelle. Später dann der Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der Rudolf Dreßler ersetzte, der nach seinem schweren Unfall als Botschafter nach Israel ging.
Nun zurück zu Demosthenes und dem Goldenen Lorbeerkranz. Wir entschieden uns im Förderkreis diese Tradition fortzusetzen und einen guten Redner mit dem Goldenen Mikrofon auszuzeichnen. Der erste Ausgezeichnete war der damalige Generalsekretär der CDU Prof. Dr. Kurt Biedenkopf. Hätten wir damals gewußt, daß er später von seinen sächsischen Wählern "König Kurt" genannt wurde, hätten wir vielleicht doch den Lorbeerkranz als Auszeichnung behalten sollen.
In den darauffolgenden Jahren zeichneten wir Bundespräsidenten, einen Kanzler, Minister und erfolgreiche Politiker aus. Allerdings in den 25 Jahren nur eine Frau: Ingrid Matthäus-Maier.
Wir führen eine Reihe von Redewettstreiten der Nachwuchspolitiker und auch einige Wettstreite innerhalb der Abgeordneten des Deutschen Bundestages durch. Der erste dieser Wettstreite wurde 1988 von einem Hinterbänkler, frisch aus Europa kommend gewonnen: Friedrich Merz.
Übrigens sind viele unserer jugendlichen Gewinnen heute in Führungspositionen der Politik tätig. Demosthenes hatte also doch recht.
Allerdings eben nur 1 Frau. Warum? Können Frauen nicht reden?
Während der vielen Jahre in der Rednerschule, die in Bonn gestartet war und dann bereits 1991 nach Berlin und München ging, heute also "Deutsche Rednerschule" heißt und ab Mitte des Jahres über das Seminarschiff "AGORA" verfügt, das genau gegenüber dem Reichstag seinen ständigen Liegeplatz haben wird, stellten wir immer fest: Frauen reden anders. Sie haben höhere und schmalere Stimmen, sind meistens körperlich zierlicher gebaut als Männer und neigen auch nicht unbedingt zu machtanmaßender Pultgestik.
Aber: Sie sind flexibler. Stimmlich nicht machtausstrahlend aber auf Grund der höheren Stimmfrequenzen besser zu verstehen als die tiefen Bässe der Männer.
Ein Grund warum immer mehr Frauen die Spitzenstellung unter den Moderatoren übernehmen: Christiansen, Illner, Maischberger...
Wir haben uns daher entschieden, wie übrigens auch in vielen sportlichen Disziplinen, eine eigene Auszeichnungskategorie einzurichten: Die Frauenpersönlichkeit des Jahres.
So haben wir im vergangenen Jahr Renate Künast Bundesministerin für Verbraucherschutz von den Grünen ausgezeichnet.
Unser diesjähriger weibliche Demosthenes heißt: Dr. Angela Merkel.
Warum:
Zuerst einmal wegen ihrer ausgesprochen sichtbaren Durchsetzungskraft, ihrem Mut und ihrer Beharrlichkeit. Welche Häme hat sie ertragen müssen- und hat nicht aufgegeben. Ein Vorbild für viele Frauen, die es könnten, wenn sie sich nur trauten.
Darüber hinaus für ihre Flexibilität, die bei Frauen eben meistens wesentlich stärker ausgeprägt ist als bei den zielorientierten Männern, die oft dem Tunnelblick verfallen sind.
Und natürlich wegen ihrer Liebe zur Sprache, Liebe zur Metapher- auch ein Beispiel unseres Demosthenes.
Ich erinnere mich an einen Vortrag vor einem CDU Gremium wo sie sagte: "Wenn man Eier haben will, dann muß man das Gackern der Hühner ertragen können". Dieses Bild saß. Ein Hinweis für die Zukunft sei hier erlaubt: Vergessen Sie nicht die krähenden Hähne"
Und so erwarten wir von Ihnen noch viele bildhaft, schlichte Reden. Wieso schlichte Reden?
Heinrich von Kleist hat diesen Begriff einmal definiert. Er schreibt:
Die schlichte Rede zeichnet sich dadurch aus, das der Redner versteht was er sagt, und daß die Zuhörer ihn auch verstehen. Bei der gehobenen Rede versteht der Redner gerade noch, was er sagt, die Zuhörer verstehen ihn aber nicht. Bei der höheren Rede versteht weder der Redner was er sagt noch verstehen ihn seine Zuhörer. Und die höchste Form der Rede, die es gibt, ist dann erreicht, wenn der Redner sich selber nicht versteht, die Zuhörer aber glauben ihn verstanden zu haben.
Wir freuen uns also auf schlichte und bilderreiche Merkel Reden.
Herzlichen Glückwunsch