Dreikönigstreffen am 6.1.2011 Stuttgart

Neuer Stern am Rhetorik-Himmel: Christian Lindner

Der Generalsekretär Christian Lindner hält eine programmatische Rede, brillant vorgetragen, frei sprechend, ohne jede Manuskriptnotiz, in einer angenehmen Tonebene und einer sehr gut nachzuvollziehenden Redegeschwindigkeit, einer guten Körperhaltung, ansprechender Gestik und immerwährendem Augenkontakt.
Er beginnt die Rede mit einem Attention step - einer Aktualität: Ein Jugenderlebnis, eine "Grabrede"auf die F.D.P. im Rheinischen Merkur. Dort hatte man die FDP Punkte als Totenköpfe dargestellt und sein Fazit: Den Rheinischen Merkur gibt es jetzt als Beilage , die F.D.P. lebt immer noch - wir sind noch da.
Seine Redestruktur ist reihend und sehr gut nachvollziehbar: Das F.D.P. Konzept ist attraktiv!
1. Die Vorwürfe der "Klientelpolitik" sind falsch und er schließt mit dem "Klatschsatz": Lassen Sie uns das Wachstum nicht kaputt machen!!
2. Wir ringen um kleine Schritte - und treiben damit die CDU.
3. Wir übernehmen Verantwortung, auch für Fehlentscheidungen. In diesem Kontext fährt er seinen Angriff auf die LINKE Chefin Lötzsch, die in einem Beitrag den Kommunismus als Ziel angegeben hatte. Es gilt die SPD und Linke zu stoppen und er beschließt diese Passage wieder mit dem "Klatschsatz": "Wenn wir nicht sind, was dann...?
4. In der Passage "Freiheit vor Gleichheit" greift er vehement die GRÜNEN an, denn sie würden eine demokratische Marktwirtschaft anstreben und sich von der sozialen Marktwirtschaft verabschieden. Sie würden die Freiheit der Gleichheit opfern und lieber Rekordschulden durchsetzen - wie in NRW - und letzlich gegen alles sein. Seine Argumentationsliste ist lang. Auch hier schließt er mit dem Satz: Die linken Parteien dürfen keine Macht über unsere Zukunft erhalten. Sie sind das Trojanische Pferd, das unsere erfolgreiche Politik gefährdet.
5. Passage: Wir glauben an den Fortschritt
Dann kommt die Zusammenfassung: " Wir brauchen eine liberale Partei eine Partei der.." und er schließt mit einer Redefigur, dem Anapher.

Fazit: Eine gut strukturierte Rede, optimal vorgetragen. Christian Lindner - ein hervorragender Redner.





Ein guter Rhetoriker: Guido Westerwelle

Guido Westerwelle, der Parteivorsitzende und Aussenminister wirkt überhaupt nicht verspannt, sondern eher fröhlich und gut gelaunt. Ausser einigen Notizen in der ersten Hälfte seiner Rede, spricht auch er frei, allerdings mit einer deutlich kämpferischen Gestik als sein Generalsekretär. Macht- und Raumgestik zur Seite, Faust- und Hammergestik nach unten, verstärken seine kämpferischen Passagen. Aber er kann auch ruhiger und gelassener - besondern im Umgang mit im Saal befindlichen Demostranten. Hier bringt er geschickt Toleranz und Verständnis rüber. Seine Rede ist kämpferisch, aber in einigen Teilen auch einfach unterhaltend. Der Spass soll eben auch nicht zu kurz kommen.

Er beginnt seine Rede mit einer "captatio benevoläntia" - das Wohlwollen der Zuhörer zu bekommen "hier sind kämpferische Büger im Saal", die er in seine Begrüßung dann einschließt. Und er beschreibt die Situation der Dreikönigstreffen mit den Worten:" Es hat schon Dreikönigstreffen gegeben, da ging es Deutschland viel schlechter - und - mir ist es lieber, ein schwieriges Dreikönigstreffen, und Deutschland geht es gut als ein leichtes und Deutschland geht es schlecht". Eine geschickte Darstellung der aktuellen Situation.
Dann kommt er zu den positiven Ergebnissen seiner Arbeit und beginnt mit der Entwicklung Deutschlands vor 50 Jahren und endet mit dem aussenpolitischen Erfolg, wieder Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu sein. "Wir können stolz sein auf unser Land".
"Wir sind die soziale Marktwirtschaft - Zukunft braucht Mut - wir wollen Freiheit zur Verantwortung, und dafür wollen wir kämpfen" Aussagen, die vom Applaus der Zuhörer begleitet sind.
Nun kommt besonders der Aussenminister und "Weltkenner" zu Wort: Ein Blick auf die Welt - eher leise vorgetragen - mit der Botschaft: Die Schwellenländer haben unsere Tugenden übernommen und stärken den Mittelstand. Das müssen wir auch wieder tun.
Danach kommt er zu den Vorwürfen, die F.D.P. habe nichts geleistet und es folgt, nach den einzelnen Aussagen zu Wirtschaftspolitik, Gesundheitspolitik, Sozialpolitik, Bildungspolitik immer wieder der Satz "Wir haben nicht alles erreicht, aber wir haben den Anfang gemacht". Dieser Satz - die Kernaussage seiner Rede- prägt sich ein.
Aber nicht nur der Anfang ist gemacht - die F.D.P muss sich Tendenzen entgegenstellen wie 1. Verweigerung der Zukunft - wobei er besonders scharf die GRÜNEN angreift mit dem Satz "Ob Sonne oder Regen, wir sind immer dagegen". 2. Wiederkehr des Wohlfahrtstaates mit Argumentationen zur Datenspeicherung, Bankenaufsicht und Bundeswehr als Polizei. Hier endet er mit dem Satz: "Der Staat dient den Bürgern, nicht die Bürger dem Staat". 3. Renationalisierung - wir müssen tolerant sein in Europa, aber die Regeln ändern.
Von Europa wechselt dann der Aussenminister zu Afganistan - wir müssen da raus, aber in Abstimmung mit den Partnern. Diesen Absatz schließt er mit dem Totengedenken an die in Afganistan gefallenen deutschen Soldaten - "wir verneigen uns in Dankbarkeit vor den toten Soldaten". Eine doch eher seltsame Zeremonie an dieser Stelle seiner Rede, denn sie leitet auch den Redeschluss ein, in dem er zu seiner Kernaussagen zurückfindet:
"Der Anfang ist gemacht, wir bleiben die einzige liberale Partei- jetzt ist die Stunde gekommen, die linken Parteien an der Macht zu hindern. Die F.D.P. kämpft. Wer die Freiheit will, braucht die F.D.P."

Fazit: Eine typische Westerwelle-Rede, kämpferisch, auch unterhaltsam, angereichert durch weltpolitische Gedanken.

Anmerkung: Die Analyse beider Reden erfolgte im Rahmen der Live-Beaobachtung. Die Zitate basieren nicht auf vorliegenden Redetexten.




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